Heimauftakt mit Doppelheimspieltag: Am Samstag um 15.30 Uhr eröffnet das neue SPL2-Frauenteam der Kadetten Schaffhausen (zweithöchste Liga) um 15.30 Uhr die Saison in der BBC Arena gegen LK Zug II. Der Eintritt zu den Frauen, Espoirs und Junioren ist immer frei. Ab 18 Uhr startet das Team von Jonas Wille gegen Wacker Thun in die erste Partie vor eigenem Publikum. Mit einem Duell gegen den am Mittwoch 38:29 gegen Basel siegreichen Tabellenführer Wacker Thun. Tickets sind im Onlineshop der Kadetten erhältlich.
Jonas Wille: Der neue Head Coach
Im Interview spricht der neue Head Coach der Kadetten Schaffhausen über seine Ideen, die ersten Wochen in Schaffhausen und die Herausforderungen mit dem Schwiizerdütsch. Dazu gibt er Einblicke in seine Leidenschaft für Musik und als Organisator eines eigenen Festivals und hebt den Teamgedanken besonders hervor.
Wille war bis Sommer norwegischer Nationaltrainer und errang mit seinem Heimatland unter anderem den sechsten Platz bei den Olympischen Spielen – das beste Ergebnis in Norwegens Handballhistorie in diesem Wettbewerb – und betreute die Mannschaft bei Welt- und Europameisterschaften. Geboren im südnorwegischen Halden an der Grenze zu Schweden, erlangte er zunächst einen Bachelor- und Masterabschluss an der norwegischen Sporthochschule und absolvierte danach die Ausbildung zum EHF-Mastercoach. Vor seinem Engagement als Nationaltrainer Norwegens betreute der 50-Jährige Teams in den höchsten Ligen Norwegens, Dänemarks und Schwedens, ehe er 2021 zunächst zum Co-Trainer des Nationalteams berufen wurde. Ein Jahr später wurde er zum Cheftrainer Norwegens befördert. Bei den Kadetten hat Wille einen Zweijahresvertrag bis 2028 unterschrieben.
Jonas, nach nur vier Wochen mit der Mannschaft seid ihr mit einem Erfolg in Aarau in die Saison gestartet. Seid ihr also bereit für die neue Saison in der Quickline Handball League?
Natürlich gibt es noch viele Dinge, an denen wir bislang noch nicht im Detail arbeiten konnten. Diese werden nach und nach während der Saison implementiert. Die Dinge, an denen wir schon gearbeitet haben, sind noch nicht zu 100 Prozent automatisiert. Es wird noch etwas Zeit benötigen, bis alles ineinandergreift und wir richtig gut darin werden. Wir sind selbstbewusst, dass wir für das erste Heimspiel bereit sind.
Was sind deine ersten Eindrücke von der Mannschaft und Stadt Schaffhausen?
Wirklich toll. Schaffhausen hat eine richtige schöne Altstadt, dazu der Rhein, die vielen Restaurants – das ist ein schöner Ort zum Leben. Der Club arbeitet sehr professionell, strahlt aber dennoch viel Wärme und Zusammenhalt aus, wirkt sehr familiär. Mit vielen Menschen, die sich wirklich für ihren Verein und die Menschen darin einsetzen. Das mag ich sehr. Die Mannschaft ist eine tolle Einheit, die füreinander kämpft und einsteht. Sie hat eine grossartige Einstellung, sich als Team und individuell stetig zu verbessern. Das Team hat grosses Potenzial. Ich konnte sehr gute erste Eindrücke sammeln.
Wie würdest du dich als Trainer beschreiben?
Über mich selbst zu sprechen, fällt mir schwer und mag ich nicht besonders. Als Trainer versuche ich immer, ruhig und analytisch zu agieren. Es ist einfacher, analytisch zu denken, wenn du ruhig bist. Ich möchte immer in der Lage sein, als Trainer für die Spieler da zu sein. So kann ich ihnen am besten helfen, vor allem während der Spiele, wenn es hektisch ist und wir Probleme lösen müssen. Ich möchte ein gutes Vorbild sein und meinen Kopf an der richtigen Stelle behalten, jederzeit lösungsorientiert sein. Ich hoffe zudem, dass ich die Menschen gut behandele, auch wenn ich direkt bin, wenn es nötig ist. Wichtig ist mir, immer gut vorbereitet zu sein, um einen guten Job für das Team zu machen. Das Beste für das Team ist das, was ganz oben steht. Ich hoffe das ist die Beschreibung, die auch die Spieler abgeben würden, wenn man sie fragt.



Wie sieht deine Idee von Handball für die Kadetten aus?
Zunächst ist es wichtig, sein Konzept immer an die Qualitäten und Spieler, die man in der Mannschaft hat, anzupassen. Dazu gilt es, die Stärken innerhalb des Teams zu nutzen. Unser Job ist es, diese Kombination zu finden. Dennoch gibt es einige Dinge, die wir verbessern wollen. In läuferischer Hinsicht, im Umschaltspiel, wo wir immer gefährlich sein wollen, und als Team, das im Angriffsspiel die ganze Breite des Spielfeldes nutzt. Der Gegner soll die ganzen 20 Meter verteidigen müssen. Die Konsequenz ist, dass wir unsere Flügel möglichst oft einbinden wollen.
Was ist dir als Trainer über das System hinaus besonders wichtig?
Ich lege grossen Wert darauf, dass jeder in der Mannschaft, der Club, die Spieler, die Führungspersonen, den Fokus darauf legen, was das Beste für das Team ist. Nicht für den Einzelnen. Das Team ist der Star des Clubs. Kein Spieler ist grösser als das Team, kein Trainer ist grösser als das Team. Alle zahlen darauf ein, gemeinsam das Team besser zu machen.
Bei all den Herausforderungen als Trainer: Wie lädst du deine Batterien selbst wieder auf?
Ich bin sehr interessiert in Musik. Ich spiele zwar nicht selbst, aber ich höre immer schon sehr viel Musik. Ich würde sagen das ist mein grösstes Hobby und man könnte mich schon seit meiner Kindheit als Musik-Nerd bezeichnen. Schon damals mochte ich Musik, die wahrscheinlich nicht jeder in diesem Alter bevorzugt. Dieser Musikgeschmack hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Ich bin ein Vinyl-Schallplattensammler und veranstalte mein eigenes Musikfestival. Das Kaktus-Festival fand im Juni zum ersten Mal in meiner Heimatstadt Halden statt. Die Musik ist sehr wichtig für mich und meine Leidenschaft. Ausserdem spiele ich gerne Padel und Squash.
Nach dem Auftaktsieg in Aarau: Was erwartest du von dieser Saison in der Quickline Handball League?
Das ist sehr schwer zu sagen zum aktuellen Zeitpunkt. Wir haben noch nicht so viele Teams aus der Liga gesehen, sodass sich für uns das Level noch schwer abschätzen lässt. Alle sagen, dass Luzern und wir die besten Teams der Liga seien. Ich erwarte, dass wir um den Titel kämpfen. Ales andere wäre enttäuschend. Wer aber letztlich alles vorne mitspielen wird, wird sich zeigen.
Nach dem Unterbruch der vier Titel in Folge umfassenden Meisterschaftsserie: Wie können die Kadetten wieder die Nummer eins werden und was sind deine Ziele für die neue Saison?
Es ist wichtig, dass wir jedes Spiel nutzen, um uns als Team weiterzuentwickeln. Damit wir unabhängig vom Gegner, auf den wir treffen, unsere eigene Identität auf und neben dem Spielfeld entwicklen, eine stabile Einheit werden, die immer performt. Dass jeder weiss, wie wir Handball spielen wollen und unsere Identität immer weiter geschärft und gefestigt wird. Das ist unser Weg als Team.
Welche Unterschiede hast du zwischen den Menschen in der Schweiz und Norwegen festgestellt?
Nach vier Wochen ist es etwas schwer, schon etwas über die Menschen in der Schweiz zu sagen. Meiner Erfahrung nach gibt es überall auf der Welt grosse Unterschiede in der Bevölkerung. In Norwegen haben wir viele unterschiedliche Menschen und Arten von Persönlichkeiten, Arten des Umgangs. Das wird überall so sein. Bis jetzt sind mir keine grossen Unterschiede aufgefallen zwischen Norwegen und der Schweiz. Das besondere an der Schweiz ist, dass sie von so vielen anderen Ländern umgeben und von so vielen unterschiedlichen Kulturen beeinflusst ist. Das ist sehr interessant kennenzulernen, auch wenn ich die meiste Zeit der letzten vier Wochen in der BBC Arena verbracht habe. Die Natur ähnelt ein wenig der Skandinavischen mit den vielen Wäldern, dem Grün – das kenne ich aus meiner Heimat.
Wie schwer ist es, Deutsch zu lernen, trotz der gemeinsamen germanischen Ursprünge zum Norwegischen?
Die deutschen Wörter sind recht einfach zu lernen. Hier gibt es viele ähnliche Wörter zum Norwegischen. Die Grammatik ist jedoch komplizierter in Deutsch. Es wir etwas Zeit benötigen, daran zu arbeiten. Ich verstehe ein wenig, wenn die Menschen Hochdeutsch sprechen. Schwiizerdütsch ist allerdings sehr schwer zu verstehen für mich. Das ist aktuell noch eine grosse Herausforderung. (lacht)




