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Neuzugang Leon Bergmann schlägt voll ein: die kuriose Erfolgsgeschichte
14. September 2025

Bei den letzten Turnieren der Nachwuchsnationalteams war Leon Bergmann bereits einer der Senkrechtstarter. Nach der Verletzung von Stammkeeper Kristian Pilipovic war der Neuzugang auch bei den Kadetten Schaffhausen von Beginn an voll in der Verantwortung – und ist mit starken Leistungen auf dem Weg zum Publikumsliebling.

Ausgerechnet im letzten Testspiel gegen Göppingen zog sich Pilipovic eine Verletzung zu. Kurz vor dem Saisonstart war damit klar: Der 20-Jährige wird vom ersten Spiel an eine tragende Rolle im neuen Verein einnehmen. Für den hochtalentierten Keeper keine ganz neue Situation, schliesslich war er letzte Saison schon Nummer eins bei den Fivers Margareten. Sein Motto damals: «Egal, was passiert: Ich halte diese Bälle, damit wir gewinnen. Ich lasse es nicht zu, dass wir verlieren.» Er sei ein Spieler, der gerne Verantwortung übernehme, erklärt er. «Es ist zwar schade, dass Pipo verletzt ist, aber er hat mir schon sehr geholfen. Seine Einstellung zum Handball ist unglaublich und ich konnte schon viel von ihm lernen.»

Dabei geholfen, die neue Rolle derart schnell auszufüllen, hat auch das intensive Training und die Betreuung von Torwart-Trainer Ninoslav Pavelic. 10 Paraden gelangen ihm in Bern, elf gegen Winterthur und Suhr Aarau. Damit knüpfte er nahtlos an die starken Vorstellungen der letzten Jahre an. Zum besten Keeper der österreichischen Liga war er gewählt worden, zum besten Keeper der Men’s 18 EHF Championship sowie der U-20-Handball-Europameisterschaft. Bei der U21-EM hatte er die mit 38,5 Prozent beste Quote an gehaltenen Würfen als auch die gesamt meisten Paraden aller Torhüter.

Zahlreiche Vereine waren anschliessend hinter dem Rohdiamanten her – er entschied sich für den Schweizer Meister. Die Gründe dafür benennt er in seinen Ambitionen und dem professionellen Umfeld der Kadetten – sowie deren hohen Zielen. «Es war», sagt er nach den ersten Wochen mit einem Lächeln, «der richtige Schritt. Ich möchte mich entwickeln, besser werden, Titel gewinnen und europäisch spielen.» All das sei in Schaffhausen gegeben. Geholfen haben bei seiner Entscheidung auch die heissen Empfehlungen der Ex-Kadetten Lukas Herburger und Sebastian Frimmel wie auch die Gespräche mit Pilipovic. Neben Nikola Marinovic eines der Kindheitsidole von Bergmann.

«Die ersten Wochen waren intensiv, interessant, lustig – und auch anstrengend», sagt der 1,95 Meter grosse Schlussmann, der sich längst zusammen mit seiner Freundin in der Altstadt von Schaffhausen eingerichtet und eingelebt hat. «Das lief alles reibungslos dank meinen Mitspielern, Trainern und den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle», dankt er für den erfolgreichen Einstieg, den er mit Paraden und emotionalem Jubel zurückzahlte. In der Munostadt fühlt der Nationalspieler Österreichs sich pudelwohl und freut sich über die offene und freundliche Art der Menschen. «Dass der Wiener als mitunter etwas grantig gilt, ist kein Klischee», lacht er.

Sportlich sieht er zwei, drei Schweizer Clubs denen in seinem Heimatland deutlich voraus. «Die Bedingungen und Professionalität der Kadetten haben mich vom Hocker gehaut», so Bergmann, der dies schätzt, um sich bestmöglich weiterentwickeln zu können. So sagte er zu Beginn der Vorbereitung mit Goalie-Trainer Pavelic: «Am ersten Tag dachte ich, es ist vorbei mit mir. Ich versuchte jeden Tag zu überleben. Er pusht mich jeden Tag.» Nach zwei Wochen stellte sich der Körper auf die neue Belastung ein, «jetzt fühlt es sich gut an, macht Spass und bringt mich richtig weiter.»

Dabei war es ein kurioser Zufall, der den gebürtigen Grazer überhaupt zwischen die Pfosten führte. Mit fünf Jahren wollte er zum Handball, musste dann aber in Ermangelung eines jüngeren Teams mit den Sieben-, Acht- und Neunjährigen mittrainieren und die Basics lernen. «Zunächst war ich im Feld aktiv und dabei nicht besonders erfolgreich», grinst Bergmann heute. Erst als sich in der neuformierten U10 kein Torwart fand, der Trainer fragte, wer sich die neue Position vorstellen könne und darauf minutenlang komplette Funkstille herrschte, zeigte er auf. Bergmann: «Ich habe mich in diesem Moment an meinen Vater erinnert, wie er früher im Tor stand.» Es war der Beginn einer rasant verlaufenden Erfolgsgeschichte.

«Nicht unzufrieden» zeigt er sich ob des Starts im Dress der Kadetten, schliesslich könne die unerwartete Situation auch «ganz anders laufen», ist er sich bewusst. «Wir können uns mit unserem Potenzial und unseren Möglichkeiten noch in allen Bereichen steigern», weiss er zugleich. Seinem neuen Team traut er viel zu und strebt nach hohen Zielen, nach Titeln und Erfolgen. Als Torhüter gelte es hierbei vor allem mit mentaler Stärke für das Team da zu sein und sich nicht von Niederlagen umwerfen zu lassen. «Man muss», weiss er, «im Kopf fit sein. Man wird ständig mit Niederlagen konfrontiert.» Gemeint sind damit Gegentore. Jedes einzelne fühle sich dabei so an. Zwischen 27 und 30 im Schnitt gehören im Handball dazu. «Deshalb muss man», so Bergmann, «sein Ego unter Kontrolle haben und nicht zu viel wollen.» Eine Übung, die nicht immer einfach ist.

Also gelte es Ruhe zu bewahren und auf die eigenen Stärken zu fokussieren. Die sieht der Österreicher vor allem in seinem guten Stellungsspiel und seinem taktischen Verständnis. Dazu gehört, sich immer wieder zu erden und den Kopf freizubekommen. Auch hier zeigt sich das junge Ausnahmetalent sehr vielseitig. Geht gerne mit seinem Vater fischen, zeichnet, kümmert sich um seine Bonsais und liebt es, an der frischen Luft zu sein. Auszeiten, die dabei helfen, auf dem Spielfeld wieder als explosiver Vulkan seiner Mannschaft den Rücken freizuhalten. Ebenso wie sein feiner Humor. «Die Welt kann manchmal ein bedrückender Ort mit vielen schlimmen Ereignissen sein», wird er kurz Ernst. «Da hilft es, wenn wir zusammen lachen.»

Zusammen lachen und feiern ist auch das Ziel für die nächsten Heimspiele am Mittwoch (19.15 Uhr) gegen den RTV Basel und am Samstag (18 Uhr) gegen St. Otmar St. Gallen. «Da bekomme ich schon wieder Gänsehaut, wenn wir uns gemeinsam als Team heissmachen», fiebert Bergmann den nächsten kleinen Etappen entgegen. Auf dem Weg, den Titelhunger zu stillen.

Die nächsten Termine

Quickline Handball League: Kadetten Schaffhausen vs. RTV Basel | Mittwoch, 17.9., 19.15 Uhr | Tickets online |

Quickline Handball League: Kadetten Schaffhausen vs. St. Otmar St. Gallen | Samstag, 20.9., 18.00 Uhr | Tickets online |

Quelle: Kadetten Medienstelle, Andreas Joas
Bild: Michael Kessler

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